Überblick
Das megalithische Heiligtum von Ġgantija liegt am Rand des Xagħra-Plateaus auf der Insel Gozo in Malta. Errichtet während der neolithischen Ġgantija-Phase (ca. 3600–3200 v. Chr.) und kontinuierlich bis in die Tarxien-Phase um etwa 2500 v. Chr. genutzt, besteht der Komplex aus zwei benachbarten Tempeln mit mehreren Apsiden, die von einer einzigen durchgehenden D-förmigen Umfassungsmauer umschlossen werden. Einige der äußeren Megalithen aus Korallenkalkstein sind über 5 Meter lang und wiegen mehr als 50 Tonnen, was später zu Volkssagen führte, die den Bau einer mythischen Riesin namens Sunsuna zuschrieben.
Der Südtempel ist die ältere und prächtigere Struktur (ca. 3600 v. Chr.), angelegt nach einem fünfapsidialen Kleeblattplan mit einem erhöhten zentralen Korridor, der durch monumentale megalithische Trilithon-Tore führt. Der Nordtempel, der um 3200 v. Chr. daneben errichtet wurde, weist eine intimere vierschiffige Anordnung auf. Beide Monumente zeigen fortgeschrittene stereotomische Planung: Doppelschalen-Mauerwerk kombiniert harten, wetterbeständigen Korallenkalkstein für die tragenden Außenfassaden mit weicherem, feinkörnigem Globigerinenkalkstein für Innenaltäre, dekorative Türrahmen, Libationsbecken und dekorative Lochplatten.

„Eine Riesin namens Sansuna aß nichts als Saubohnen und Honig; ein Kind auf den Schultern tragend, erbaute sie diese Türme aus riesigen Steinen in einer einzigen Nacht.“
— Mündliche Überlieferung der Insel Gozo über den Bau von Ġgantija (aufgezeichnet von frühen maltesischen Altertumsforschern)
Die Stätte wurde erstmals 1827 unter der Leitung von John Otto Bayer, dem britischen Vizegouverneur von Gozo, von Schutt befreit und von dem Künstler Charles de Brochtorff detailliert gezeichnet, bevor die moderne Verwitterung beschleunigt einsetzte. Wissenschaftliche Ausgrabungen wurden in den 1930er Jahren von Luigi Ugolini und in den 1950er Jahren von John Davies Evans und David H. Trump (1954–1955) durchgeführt. Zwischen 1987 und 1994 grub das wegweisende Cambridge Gozo Project unter der Leitung von Caroline Malone, Anthony Bonanno und Colin Renfrew den nahe gelegenen Xagħra Stone Circle (Brochtorff Circle) aus und entdeckte ein unterirdisches Hypogäum mit Kollektivbestattungen, Steinstatuetten und Grabbeigaben, die die Tempelrituale eindeutig mit einer inselweiten Religionsgemeinschaft verbanden.

Ġgantija wurde 1980 als UNESCO-Welterbe eingetragen (Ref. 132) und begründete damit die Liste, die 1992 um die fünf weiteren prähistorischen maltesischen Tempel erweitert wurde. Im Dialog mit Ħaġar Qim und dem unterirdischen Hypogäum von Ħal Saflieni auf Malta sowie den früheren Jäger-Sammler-Anlagen von Göbekli Tepe und dem späteren britischen Stonehenge dokumentiert Ġgantija die früheste Phase monumentaler Steinarchitektur im Mittelmeerraum.

