Überblick
Historischer Kontext
Persepolis, von seinen Erbauern Pārsa genannt, wurde um 518 v. Chr. von Darius I. als großer zeremonieller Sitz der Achämeniden-Dynastie konzipiert. Es wurde auf einer riesigen künstlichen Terrasse am Fuße des Kuh‑e Rahmat, dem Berg der Barmherzigkeit, im Kernland der Persis (heute Fars, Iran) errichtet. Die Stätte sollte die imperiale Ideologie verkörpern und die Macht und kosmopolitische Natur eines Reiches zur Schau stellen, das vom Indus bis zur Ägäis reichte. Nachfolgende Könige, insbesondere Xerxes I. und Artaxerxes I., erweiterten den Komplex um weitere Paläste, Hallen und Tore und machten Persepolis zum architektonischen Höhepunkt der achämenidischen Kunst.

2018-09-21 Iran, Persepolis, Apadana-Palast (von der östlichen Treppe) | Laurens R. Krol (CC BY 4.0)
"Ich bin Darius, der große König, König der Könige, König der Länder mit allen Arten von Menschen, König auf dieser großen Erde weit und breit. Durch die Gunst Ahuramazdas habe ich diesen Palast erbaut."
— Darius I., Gründungsinschrift in Persepolis, ca. 515 v. Chr.
Architektonische Gestaltung
Die 125.000 Quadratmeter große Terrasse wird über eine monumentale, doppelt gewendelte Treppe zum Tor aller Nationen betreten, das von kolossalen Lamassu bewacht wird. Zu den Kernbauten gehören die Apadana (Audienzhalle) mit 36 Säulen, die Thronhalle, das Schatzhaus sowie private Paläste von Darius, Xerxes und anderen. Die Reliefs der Apadana zeigen 23 Delegationen, die Geschenke darbringen – ein visueller Katalog der Vielfalt des Reiches. Die überwiegend aus Kalkstein errichteten Gebäude nutzten Pfosten-Riegel-Konstruktionen mit Holzdecken, und viele Säulen wiesen kunstvolle Doppelstierkapitelle auf. Die Anlage verfügt zudem über ein ausgeklügeltes Entwässerungssystem und Spuren polychromer Bemalung.

Bas-Relief auf der Apadana-Treppe - Persepolis - Zentraliran - 03 (7427777288) | Adam Jones aus Kelowna, BC, Kanada (CC BY-SA 2.0)
Reliefs und Inschriften
Persepolis ist reich an Keilschriftinschriften in Altpersisch, Elamisch und Babylonisch, die oft königliche Proklamationen und Weihungen festhalten. Die berühmteste ist die Inschrift des Darius an der südlichen Terrassenmauer, die die dynastische Legitimität der Achämeniden betont. Ebenso bedeutend sind die skulptierten Friese, besonders an den Apadana-Treppen, die zu den wichtigsten erhaltenen Beispielen achämenidischer Hofkunst gehören. Sie zeigen eine sorgfältig choreographierte Tributezeremonie, bei der Figuren aus unterworfenen Nationen anhand ihrer Kleidung und Güter identifiziert werden, und bieten eine unvergleichliche Quelle für die achämenidische Reichsverwaltung und Kostümkunde.

20101229 Tore der Nationen Persepolis Iran | User:Ggia (CC BY-SA 3.0)
Zerstörung und Vermächtnis
Im Jahr 330 v. Chr. eroberte Alexander der Große Persepolis und befahl nach einer Besatzungszeit die Niederbrennung des Palastkomplexes – eine Tat, die oft als Vergeltung für die persische Zerstörung Athens oder als kalkulierte politische Aussage gedeutet wird. Die feuergeschädigten Überreste konservierten einen Moment gewaltsamen Übergangs, und spätere Quellen wie Diodor und Plutarch schildern das Ereignis, wobei das genaue Ausmaß beabsichtigter Zerstörung gegenüber späterem Verfall umstritten ist. Über Jahrhunderte war die Stätte den Einheimischen als Takht‑e Jamshid (Thron des Jamshid) bekannt und wurde so in den persischen Mythos eingewoben. Die moderne Wissenschaft hat ihre historische Identität wiederhergestellt, und sie bleibt ein starkes Symbol des vorislamischen iranischen Erbes.

