Überblick
Entdeckung
Petra war den einheimischen Beduinen jahrhundertelang bekannt, blieb der westlichen Welt jedoch verborgen, bis der Schweizer Forscher Johann Ludwig Burckhardt es 1812 wiederentdeckte. Als Pilger verkleidet, überzeugte Burckhardt seinen Führer, ihn zu der legendären ‚verlorenen Stadt‘ zu führen, und wurde so der erste Europäer seit über 500 Jahren, der ihre monumentalen Fassaden dokumentierte.
Bedeutung
Als Hauptstadt des Nabatäerreichs blühte Petra zwischen 300 v. Chr. und 106 n. Chr. und kontrollierte wichtige Handelsrouten, die Arabien, Ägypten und das Mittelmeer verbanden. Seine strategische Lage ermöglichte den Nabatäern, Reichtum anzuhäufen, den sie nutzten, um aufwändige Gräber und Tempel direkt in die rosenroten Sandsteinfelsen zu meißeln. Nach der römischen Annexion im Jahr 106 n. Chr. florierte die Stadt weiter, bis eine Reihe von Erdbeben und Veränderungen der Handelsrouten zu ihrer allmählichen Aufgabe im 8. Jahrhundert führten.

*Al Khazneh Petra edit 2 | Al_Khazneh_Petra.jpg: Graham Racher aus London, UK
Bearbeitung: MrPanyGoff (CC BY-SA 2.0)*
"Suche mir solch Wunder außer im Morgenland, eine rosenrote Stadt, halb so alt wie die Zeit."
— John William Burgon, „Petra“, Newdigate-Preis-Gedicht, 1845
Architektur und Wassermanagement
Das ikonische Al-Khazneh (das Schatzhaus) und Ad-Deir (das Kloster) sind Beispiele einer einzigartigen Verschmelzung hellenistischer, römischer und einheimischer nabatäischer Stile. Im 1. Jahrhundert n. Chr. gemeißelt, dienten diese Monumente wahrscheinlich als Gräber oder religiöse Bauwerke. Ebenso bemerkenswert ist das wasserbautechnische System: Dämme, Zisternen und Keramikrohrleitungen sammelten und verteilten Wasser, schützten die Stadt vor Sturzfluten und versorgten eine auf 20.000–30.000 geschätzte Bevölkerung.

The Treasury, Petra, Jordan5 | Diego Delso (CC BY-SA 3.0)
Gesellschaft und Religion
Die Nabatäer verehrten ein Pantheon von Gottheiten mit Dushara als höchstem Gott. Inschriften und in den Fels gehauene Schreine in ganz Petra bezeugen religiöse Praktiken, die arabische und griechisch-römische Traditionen vermischten. Frauen könnten bedeutende wirtschaftliche Rollen innegehabt haben, wie Inschriften über Grab‑Eigentum nahelegen, obwohl die genaue Art ihres Status umstritten bleibt. Unter byzantinischer Herrschaft wurden Teile von Petra umgenutzt, wobei das Urnengrab in eine Kirche umgewandelt wurde.
Niedergang und Vermächtnis
Zerstörerische Erdbeben in den Jahren 363 und 551 n. Chr., zusammen mit dem Aufkommen von Seehandelsrouten, lösten Petras langsamen Niedergang aus. Bis zum 7. Jahrhundert war die Stadt weitgehend verlassen und nur noch in Legenden präsent, bis sie in der Neuzeit wiederentdeckt wurde. Heute ist Petra ein Zeugnis für die Erfindungsgabe der Nabatäer und den interkulturellen Austausch, der den antiken Nahen Osten prägte.

