Überblick
Der Kölner Dom erhebt sich am Rhein im Zentrum Kölns; seine beiden durchbrochenen Türme beherrschen die Stadtsilhouette. Er wurde 1248 unter Erzbischof Konrad von Hochstaden begonnen, um eine angemessen monumentale Heimstätte für eine der wertvollsten Reliquien des mittelalterlichen Europas zu schaffen: die Gebeine, von denen man glaubt, dass sie die der Heiligen Drei Könige oder Weisen aus dem Morgenland sind. Diese waren 1164 von Erzbischof Rainald von Dassel von Mailand nach Köln gebracht worden. Die Reliquien, die in dem großen vergoldeten Dreikönigenschrein aufbewahrt werden, der um 1225 fertiggestellt wurde, machten Köln zu einem der vornehmsten Pilgerziele des mittelalterlichen Abendlandes.
Die Kathedrale war im hochgotischen Stil in gewaltigen Ausmaßen konzipiert, inspiriert von den französischen Kathedralen von Amiens und Beauvais. Der Chor wurde 1322 geweiht, aber der immense Ehrgeiz des Entwurfs überstieg die verfügbaren Geldmittel und die Geduld, und 1473 wurde der Bau eingestellt, wobei der Südturm nur teilweise errichtet war. Mehr als drei Jahrhunderte lang stand ein mittelalterlicher Kran auf dem unvollendeten Turm, ein berühmtes Wahrzeichen einer unvollständigen Kathedrale.
Das Bauwerk wurde schließlich im 19. Jahrhundert während einer Welle romantischen Nationalismus und der Neugotik vollendet. Entscheidend war, dass die ursprünglichen mittelalterlichen Pläne für die Westfassade wiederentdeckt wurden, wodurch die Kathedrale im Wesentlichen so fertiggestellt werden konnte, wie es die mittelalterlichen Baumeister beabsichtigt hatten. Die Arbeiten wurden 1842 wieder aufgenommen, und das Bauwerk wurde 1880 vollendet – ein Ereignis, das als Moment der deutschen nationalen Einheit gefeiert wurde. Bei der Fertigstellung machten seine 157 Meter hohen Türme es zum höchsten Gebäude der Welt, ein Titel, den es bis 1884 behielt.
Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten alliierte Bombenangriffe weite Teile der Kölner Innenstadt, doch der Dom, obwohl von etwa vierzehn Bomben getroffen, blieb inmitten der Trümmer stehen – ein Bild, das zum Symbol des Überlebens wurde. Die Beseitigung der Kriegsschäden und der ständige Kampf gegen Verwitterung und Umweltverschmutzung führen dazu, dass der Dom bekanntermaßen nie ganz frei von Baugerüsten ist. Er wurde 1996 als UNESCO-Welterbestätte eingetragen und stand kurzzeitig auf der Liste des gefährdeten Welterbes (2004–2006) aufgrund von Plänen für Hochhäuser in der Nähe, die sein Umfeld bedrohten.
