Überblick
Die Kathedrale von Chartres steht auf einem Hügel über dem Fluss Eure in Chartres, Centre-Val de Loire, Frankreich. Als Bischofssitz seit der Römerzeit zog der Ort Marienpilger an; ein Brand im Jahr 1194 zerstörte einen Großteil der früheren romanischen Kirche, während die Westfassade und die Türme erhalten blieben. Der Wiederaufbau im neuen gotischen Stil erfolgte mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit – der Chor bis 1221, die gesamte Kirche bis etwa 1250 – wodurch einer der kohärentesten hochgotischen Innenräume entstand.
Die Kathedrale beherbergt die Sancta Camisa, eine Reliquie, die als das Gewand Mariens bei der Geburt Christi gilt, was die mittelalterliche Wallfahrt anregte. Das Steinlabyrinth im Boden (um 1200) ist für rituelles Gehen erhalten. Die Buntglasfenster – darunter drei große Rosenfenster und das „Blaue-Madonna“-Fenster – enthalten umfangreiches Glas aus dem 13. Jahrhundert, das unter europäischen Kathedralen nach Kriegen und Bilderstürmen selten ist.
Die UNESCO hat Chartres 1979 zum Weltkulturerbe erklärt. Die Kathedrale ist eine aktive katholische Kirche und ein Prüfstein für Studien zur gotischen Architektur von Viollet-le-Duc bis zu modernen Theorien der sakralen Geometrie.
