Überblick
Der Sonnentempel von Konark steht an der Küste des Golfs von Bengalen in Odisha (Orissa), Ostindien, etwa 65 Kilometer von der Hauptstadt Bhubaneswar entfernt. Er wurde um 1250 n. Chr. von König Narasimhadeva I. aus der Östlichen Ganga-Dynastie erbaut, einem der mächtigsten Herrscher des mittelalterlichen Indiens. Der Tempel wurde als kolossaler steinerner Wagen des Sonnengottes Surya konzipiert: Die gesamte Plattform ruht auf 24 kunstvoll geschnitzten Steinrädern (jedes etwa 3 Meter im Durchmesser), die von sieben sich aufbäumenden Pferden gezogen werden und die sieben Wochentage repräsentieren.
Die Größe des ursprünglichen Bauwerks war außergewöhnlich. Das Haupt-Heiligtum (Deul) erhob sich einst auf eine geschätzte Höhe von 70 Metern und war vom Meer aus sichtbar – europäische Seeleute nannten es die „Schwarze Pagode" und nutzten es als Navigationspunkt. Die Tanzhalle (Jagamohana) steht noch heute mit einer Höhe von etwa 40 Metern. Die Außenseite des Tempels ist von unten bis oben mit einem dichten Skulpturenprogramm bedeckt: Sonnengottheiten, himmlische Musiker und Tänzer, erotische Paare (Mithuna), Tiere, mythologische Szenen und eine außergewöhnliche Serie von Bildern des Alltagslebens. Die Präzision und Lebendigkeit der Schnitzereien ist in der indischen Steinskulptur unerreicht.
Das Haupt-Deul stürzte irgendwann zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ein – möglicherweise aufgrund struktureller Instabilität, eines Erdbebens oder der Entfernung des Magnetsteins, der angeblich die zentrale Gottheit in der Schwebe hielt. Die erhaltene Jagamohana und die Nebenschreine wurden 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.
