Überblick
Edessa, das heutige Şanlıurfa, ist eine der historisch am stärksten geschichteten Städte der Welt. Die menschliche Besiedlung in der Region reicht mindestens 11.000 Jahre zurück, was sie zu einem der ältesten kontinuierlich bewohnten Orte der Erde macht. Die Stadt liegt an einem Kreuzungspunkt der Zivilisationen – mesopotamische, hellenistische, römische, byzantinische, kreuzfahrerzeitliche, islamische und osmanische Kulturen haben alle ihre Spuren in ihren Steinen hinterlassen.
Die Stadt gilt traditionell als Geburtsort des biblischen Patriarchen Abraham, und der heilige Abrahamsteich (Balıklıgöl) mit seinen berühmten heiligen Fischen bleibt eine bedeutende Pilgerstätte. Der lokalen Überlieferung zufolge wurde Abraham vom Zitadellenhügel aus von König Nimrod ins Feuer geworfen, doch Gott verwandelte das Feuer in Wasser und die brennenden Scheite in Fische.
"Die Stadt Edessa liegt in einer Ebene und wird vom Fluss Scirtus bewässert, der durch sie hindurchfließt."
— Plinius der Ältere, ca. 77-79 n. Chr.
In der hellenistischen Zeit wurde die Stadt Hauptstadt des Königreichs Osrhoene, des ersten Staates, der das Christentum als offizielle Religion annahm (um 200 n. Chr.), noch vor der Bekehrung des Römischen Reiches. Das berühmte Mandylion – ein antikes Tuch mit dem Abbild Christi – wurde angeblich hier aufbewahrt. Während der Kreuzzüge wurde Edessa zur Hauptstadt der Grafschaft Edessa (1098–1144), des ersten Kreuzfahrerstaates, der fiel.
Heute dient Şanlıurfa als Ausgangsstadt für Besucher von Göbekli Tepe und der Taş Tepeler-Region, und sein spektakuläres Archäologiemuseum beherbergt die weltweit älteste bekannte lebensgroße Menschenstatue. Der alte Basar, der Burgberg mit seinen berühmten Zwillingssäulen und die Haleplibahçe-Mosaike machen es zu einem der faszinierendsten Ziele in Südostanatolien.
