Überblick
Die Große Moschee und das Krankenhaus von Divriği, die 1985 (zusammen mit den historischen Bereichen Istanbuls und Göreme) als erste UNESCO-Weltkulturerbestätte der Türkei eingeschrieben wurde, ist ein einzigartiges Meisterwerk der mittelalterlichen anatolischen Architektur. Erbaut 1228-1229 vom Mengücükiden-Emir Ahmed Şah, vereint der Komplex eine Gemeinschafts-Moschee und ein Krankenhaus (Darüşşifa) unter einem einzigen, integrierten Entwurf.
Was Divriği von allen anderen mittelalterlichen islamischen Gebäuden abhebt, ist die atemberaubende skulpturale Dekoration seiner drei monumentalen Portale. Die Steinmetzarbeit übertrifft jede bekannte Tradition – islamische, christliche oder zentralasiatische – und verbindet geometrische Muster, vegetabile Arabesken und figurative Elemente (einschließlich menschlicher und tierischer Köpfe) in einem Stil, der sich einer einfachen Kategorisierung entzieht. Insbesondere das Nordportal der Moschee gilt als das am aufwendigsten geschnitzte Portal in der islamischen Architektur.
"Die Festung von Divriği ist eine Befestigungsanlage auf einem hohen Felsen, und unterhalb davon liegt eine Stadt mit einer Freitagsmoschee."
— Ibn Battuta, um 1330
Kunsthistoriker haben Schwierigkeiten, die Divriği-Portale zu klassifizieren. Die Schnitzerei enthält Elemente, die an armenische, georgische, seldschukische, zentralasiatische und sogar gotische Traditionen erinnern, was auf das Werk von Handwerkern hindeutet, die aus mehreren kulturellen Strömungen schöpften. Die dreidimensionale Tiefe der Schnitzerei, bei der Elemente in komplexem Zusammenspiel vor- und zurückspringen, erzeugt einen Licht- und Schatteneffekt, der sich im Laufe des Tages verändert.
Der Krankenhausteil weist ein ausgeklügeltes akustisches Design, ein achteckiges Becken und ein innovatives Belüftungssystem auf. Der Komplex liegt in der abgelegenen Stadt Divriği in der Provinz Sivas, fernab der großen Touristenrouten, was Besuchern, die die Reise auf sich nehmen, das Privileg gewährt, eines der größten architektonischen Werke der Menschheit in relativer Einsamkeit zu erleben.

Seldschuken - Palast von Keykubad (Kubad-Abad Sarayi), Konya | Efendi (CC BY-SA 4.0)

