Überblick
Cavustepe ist die am besten erhaltene urartäische Festung in der Türkei, erbaut von König Sarduri II. um 764 BCE als eine königliche Zitadelle mit Blick auf die weite Ebene östlich des Vansees. Die Stätte besteht aus einer oberen und einer unteren Festung, die durch massive kyklopische Mauern verbunden sind und die ingenieurtechnische Meisterschaft des urartäischen Königreichs demonstrieren – eines mächtigen eisenzeitlichen Staates, der im Van-Becken zentriert war und mit Assyrien rivalisierte.
Die obere Zitadelle enthält die Überreste eines Palastkomplexes mit zeremoniellen Hallen, Lagerräumen und einem Tempel, der dem Gott Haldi geweiht war – der Hauptgottheit des urartäischen Pantheons. In Steinblöcke gemeißelte Keilschriftinschriften dokumentieren die Bauaktivitäten von Sarduri II. und Widmungen an Haldi und liefern direkte Belege für königliche Bauprogramme.
"Sarduri, Sohn des Argishti, erbaute diese mächtige Festung."
— Urartäische Gründungsinschrift des Sarduri II., ca. 750 v. Chr.
Die untere Festung beherbergte Verwaltungsgebäude, Werkstätten und umfangreiche Lagerstätten. Große keramische Vorratsgefäße (Pithoi), die in situ gefunden wurden, deuten auf die Rolle der Zitadelle als Zentrum der landwirtschaftlichen Verwaltung und Überschussbewirtschaftung hin.
Das bemerkenswerteste Merkmal der Stätte ist ihre ausgeklügelte Wassertechnik. Ein offener, durch Fels gehauener Kanal leitete Wasser von einer Quelle mehrere Kilometer entfernt heran – eines der frühesten bekannten Aquäduktsysteme der Welt. Das präzise Gefälle des Kanals belegt fortschrittliche Vermessungstechniken.
Cavustepe bietet einen Panoramablick über die Ebene von Van und die fernen Gipfel des Armenischen Hochlands, eine Landschaft, die das territoriale Kernland des urartäischen Königreichs prägte.

Çavuştepe (38611372590) | Herbert Frank from Wien (Vienna), AT (CC BY 2.0)

