Überblick
Axum (auch Aksum geschrieben) liegt auf dem Tigray-Plateau im Norden Äthiopiens in etwa 2.100 Metern Höhe. Es war die Hauptstadt des Aksumitischen Reiches, einer der vier Großmächte der Spätantike neben Rom, Persien und China. Die Stadt war mindestens seit dem ersten Jahrtausend v. Chr. besiedelt und erreichte ihre größte Bedeutung etwa zwischen 100 und 940 n. Chr., als der aksumitische Staat ein Seeimperium kontrollierte, das sich über das Rote Meer bis zur Arabischen Halbinsel und entlang der ostafrikanischen Küste nach Süden erstreckte.
Axum ist vor allem für seine monumentalen Stelen bekannt – hohe, fein gearbeitete Granitobelisken von bis zu 33 Metern Höhe, die königliche Grabanlagen markieren. Stele 2 (24 Meter, noch aufrecht) und Stele 3 (21 Meter) dominieren das Nördliche Stelenfeld, während die umgestürzte Stele 1 – ursprünglich 33 Meter, der größte jemals errichtete Obelisk – zerbrochen in der Nähe liegt. Als sie noch stand, war Stele 1 der größte stehende Obelisk der Welt und zeigt eine technische Fähigkeit, die dem alten Ägypten ebenbürtig ist. Ein vierter bedeutender Obelisk, der 1937 von italienischen Truppen geraubt und 2008 an Äthiopien zurückgegeben wurde, steht nahe seiner ursprünglichen Position wieder aufgerichtet.
Unter den Stelen liegen aufwändige, in den Fels gehauene königliche Grabkomplexe, darunter das Grab der Ziegelbögen, das Grab der Scheintür und das Mausoleum. Ausgrabungen haben große Mengen an luxuriösen Grabbeigaben zutage gefördert, darunter byzantinische und indische Objekte, die die Rolle der Stadt als Handelszentrum widerspiegeln.
Um 330 n. Chr. trat König Ezana zum Christentum über und machte Aksum zu einem der frühesten christlichen Staaten der Welt. Die Kirche Unserer Lieben Frau Maria von Zion, in der sich der Legende nach die Bundeslade in einer angrenzenden Schatzkapelle befindet, ist seitdem ein Pilgerort. Die heutige Kirche stammt aus dem 17. Jahrhundert, doch ihr heiliger Status reicht viel weiter zurück. Die Stadt prägte ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. eine hochentwickelte Münzprägung mit Inschriften in Griechisch und Ge‘ez – einer der frühesten Münzen ausgebenden Staaten in Afrika südlich der Sahara. Axum wurde 1980 als UNESCO-Welterbestätte eingetragen.
