Überblick
Amasra nimmt eine der markantesten natürlichen Lagen aller antiken Städte Anatoliens ein. Die Stadt erstreckt sich über zwei felsige Inseln – Boztepe (Büyükada) und Tavşan Adası (Küçükada) –, die durch schmale Landengen mit dem Festland verbunden sind, und beherrscht einen Doppelhafen, der Schiffe seit mindestens dem 7. Jahrhundert v. Chr. Schutz bietet. Die dramatische Geografie, die Amasra nahezu uneinnehmbar machte, verlieh ihm auch eine unwiderstehliche Schönheit, eine Qualität, die bis heute Besucher anzieht.
Die Stadt wurde als Sesamus gegründet, eine griechische Kolonie, die von milesischen Siedlern errichtet wurde, die das Verteidigungspotenzial ihrer Zwillingsinsel-Topografie erkannten. Unter hellenistischer Herrschaft wurde sie von Königin Amastris, der Nichte des persischen Königs Dareios III. und kurzzeitigen Ehefrau von Alexander des Großen Nachfolger Lysimachos, als Amastris neu gegründet, die vier kleinere Küstenorte zu einer einzigen Polis vereinte, die schnell zu einer der wohlhabendsten Städte an der südlichen Schwarzmeerküste wurde.
"Sesamus ist eine Stadt der Paphlagonier, gelegen auf einer Halbinsel."
— Strabo, Geographica (ca. 7 v. Chr. – 23 n. Chr.)
Die römische Besatzung brachte eine umfangreiche städtische Entwicklung mit sich, darunter Hafenverbesserungen, ein Badehaus und die Einbindung der Stadt in das Handels- und Militärnetzwerk des Reiches am Schwarzen Meer. Die römischen Mauern, von denen Teile noch stehen, wurden auf früheren griechischen Befestigungen errichtet und später von byzantinischen Ingenieuren verstärkt, die die strategische Bedeutung Amasras für die Kontrolle der westlichen Schwarzmeerküste erkannten.
Die genuesische Periode hinterließ vielleicht das sichtbarste architektonische Erbe. Die Genuesen erwarben die Stadt 1261 und machten sie zu einem wichtigen Handelsposten in ihrem Schwarzmeer-Handelsnetzwerk. Die genuesische Burg auf der Insel Boztepe mit ihren massiven Mauern, Torinschriften und heraldische Reliefs bleibt das ikonischste Monument der Stadt. Die Burgmauern integrieren römisches und byzantinisches Spolienmaterial und schaffen so einen sichtbaren Palimpsest der geschichteten Vergangenheit der Stadt.
Innerhalb der befestigten Altstadt schaffen eine kleine byzantinische Kirche, die in eine Moschee umgewandelt wurde, ein römisches Badehaus, das heute als Ausstellungsraum dient, und Abschnitte von Verteidigungsmauern aus mehreren Perioden ein intimes Freilichtmuseum. Die umliegenden Gewässer liefern noch immer antike Anker und Keramik, Zeugnisse von Jahrtausenden maritimer Aktivität.

Amasra, Türkei, Burg, Blick von der Insel | Babbsack (CC BY-SA 3.0)

