Überblick
Der Aachener Dom steht im Herzen Aachens, im äußersten Westen Deutschlands nahe der belgischen und niederländischen Grenze, an einem Ort, dessen Thermalquellen bereits die Römer anzogen, die den Ort Aquae Granni nannten. Um 796 n. Chr. wählte der fränkische König Karl der Große Aachen zur Hauptresidenz seines wiedererrichteten westlichen Kaiserreichs und ordnete den Bau einer großen Pfalzanlage an. Deren Herzstück, und der einzige bedeutende erhaltene Teil, ist die Pfalzkapelle, entworfen von Odo von Metz und geweiht um 805.
Die Kapelle ist die höchste architektonische Errungenschaft der karolingischen Renaissance. Ihr Kern ist ein überkuppeltes Oktogon, umgeben von einem sechzehneckigen Umgang und zweigeschossigen Emporen, das bewusst an die großen Kaiserkirchen des Mittelmeerraums anknüpft — vor allem an San Vitale in Ravenna und die Kirchen des byzantinischen Konstantinopels —, als Statement, dass Karls Reich der legitime Erbe Roms sei. In Aachen gegossene Bronzegitter und -türen, aus Italien herbeigeschaffte Marmorsäulen und funkelnde Mosaike machten sie seinerzeit zum ambitioniertesten Gewölbebau nördlich der Alpen seit Jahrhunderten. Auf der oberen Empore steht der schlichte Marmorthron Karls des Großen.
Karl der Große starb 814 und wurde in der Kapelle beigesetzt; seine Gebeine ruhen heute im goldenen Karlsschrein. Nach seiner Heiligsprechung 1165 wurde Aachen ein bedeutendes Pilgerziel, und von 936 bis 1531 diente die Kapelle als Krönungskirche der Könige des Heiligen Römischen Reiches — mehr als dreißig deutsche Könige wurden auf oder neben dem Karlsthron gekrönt. Um die Pilgermassen aufzunehmen, wurde zwischen 1355 und 1414 ein hochgotischer Chorraum — wegen seiner riesigen Buntglasfenster oft „Glashaus von Aachen“ genannt — angebaut, und im Laufe der Jahrhunderte kamen weitere Kapellen um das karolingische Oktogon hinzu.
Die Domschatzkammer zählt zu den bedeutendsten Kirchenschätzen der Welt und beherbergt karolingische, ottonische und mittelalterliche Meisterwerke, darunter das Lotharkreuz, die Büstenreliquie Karls des Großen und den Marienschrein. 1978 wurde der Aachener Dom als erste Stätte in Deutschland und als eine der ersten zwölf Stätten weltweit in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
