Überblick
Timgad liegt auf dem Hochplateau der Aurès-Berge im Nordosten Algeriens, 35 km östlich von Batna, in einer Höhe von 1.050 m. Es wurde im Jahr 100 n. Chr. von Kaiser Trajan als Veteranenkolonie gegründet und offiziell Colonia Marciana Ulpia Traiana Thamugadi genannt, zu Ehren von Trajans Schwester Marciana. Die Lage war strategisch: Die Aurès-Berge dienten als Bergrückzugsort des Berber-Volkes der Chaouïa, und die Kolonie sollte die römische Kontrolle der Südgrenze sichern.
Timgad ist das vollständigste erhaltene Beispiel römischer Stadtplanung im gesamten Reich. Die ursprüngliche Kolonie wurde als perfektes Quadrat von 355 m × 355 m angelegt und durch ein regelmäßiges Raster aus Cardines- und Decumani-Straßen in 111 identische Insulae (Stadtblöcke) unterteilt. Späteres Wachstum erweiterte die Stadt über den ursprünglichen Plan hinaus und fügte unregelmäßige Vororte hinzu, doch der koloniale Kern ist mit außergewöhnlicher Vollständigkeit erhalten: Die Pflasterung des Decumanus Maximus ist über die gesamte Länge intakt; der Trajansbogen am westlichen Ende steht nahezu in seiner ursprünglichen Höhe; das Forum, die Basilika und der kapitolinische Tempel befinden sich genau an ihren Positionen an der Kreuzung der Hauptstraßen; und das Theater, dessen Cavea für 3.500 Zuschauer in einen Hügel gehauen ist, bewahrt seine Sitzreihen und die Wände des Bühnenhauses.
Die Stadt erreichte ihren Höhepunkt im 2. und frühen 3. Jahrhundert n. Chr., als sie eine geschätzte Bevölkerung von 15.000 bis 20.000 ernährte. Es wurden 23 Badeanlagen identifiziert, eine selbst für eine römische Stadt dieser Größe außergewöhnliche Zahl. Eine große christliche Basilika aus dem 4. Jahrhundert – eine der größten im römischen Afrika – spiegelt die Christianisierung der Stadt nach Konstantin wider. Die Stadt wurde im 5. Jahrhundert von dem Berberkönig Tacfarinas geplündert, teilweise wiederbesiedelt und schließlich aufgegeben, als vordringender Saharasand den südlichen Teil bis zu einer Tiefe von mehreren Metern begrub – ein Zufall der Erhaltung, der die bemerkenswerte Vollständigkeit des Erhaltenen erklärt.
