Überblick
Tassili n'Ajjer nimmt ein 72.000 km² großes Sandsteinmassiv in der östlichen algerischen Sahara ein, nahe den Grenzen zu Libyen und Niger. Der Name bedeutet "Plateau der Flüsse" in Tuareg – eine treffende Beschreibung dessen, was diese heute hyperaride Landschaft einmal war. Zwischen etwa 10.000 v. Chr. und 3.000 v. Chr. erlebte die Sahara eine "Grüne Periode", als ein feuchteres Klima Grasland, Seen, Flüsse und eine reiche Tierwelt mit Flusspferden, Elefanten, Giraffen und Krokodilen ermöglichte.
Die Felskunst von Tassili n'Ajjer ist das herausragende visuelle Archiv dieser verschwundenen Welt. Über 15.000 einzelne Zeichnungen und Gravuren – viele von außergewöhnlicher künstlerischer Qualität – sind über die Felswände und Unterstände des Plateaus verstreut. Wissenschaftler unterteilen die Abfolge in grobe Phasen: die Rundkopf-Phase (ca. 10.000–6.000 v. Chr.) zeigt große stilisierte menschliche Figuren mit runden, merkmallosen Köpfen; die Pastoral-Phase (ca. 7.500–3.500 v. Chr.) dokumentiert domestizierte Rinder und die Hirten, die sie hüteten; die Pferde- und Kamel-Phasen zeichnen die fortschreitende Austrocknung der Sahara auf.
Die Bilder umfassen Jagdszenen, Rinderherden, rituelle Tänze und außergewöhnliche Darstellungen von Wildtieren, die mit einer Lebendigkeit wiedergegeben sind, die jeder prähistorischen Kunst der Welt gleichkommt. Die UNESCO nahm Tassili n'Ajjer 1982 als gemischte Kultur- und Naturerbestätte in die Welterbeliste auf.
