Überblick
Oinoanda ist eine antike Stadt auf einem dramatischen Bergplateau in der Nähe des Dorfes İncealiler in der Provinz Muğla, an der Nordgrenze des antiken Lykien. Während die Stätte konventionelle griechisch-römische Stadtüberreste wie ein Aquädukt, ein Theater, eine Agora und Stadtmauern bewahrt, beruht ihr weltweiter Ruhm auf einem einzigen außergewöhnlichen Monument: der Inschrift des Diogenes von Oinoanda, der größten bekannten philosophischen Inschrift der antiken Welt.
Im 2. Jahrhundert n. Chr. beauftragte ein wohlhabender Bürger namens Diogenes die Anbringung seiner philosophischen Lehren in einer massiven Steinwand im öffentlichen Bereich der Stadt. Die in Griechisch verfasste Inschrift präsentierte eine umfassende Zusammenfassung der epikureischen Philosophie – sie behandelte Physik, Ethik, das Wesen der Götter, die Furcht vor dem Tod und das Streben nach Lust als höchstem Gut. Die erhaltenen Fragmente, insgesamt über 25.000 Wörter auf Hunderten von beschrifteten Blöcken, repräsentieren etwa ein Drittel des ursprünglichen Textes, der möglicherweise 80.000 Wörter oder mehr umfasste.
"Diogenes wollte in seinem hohen Alter den Nachfolgenden helfen und ließ diese Inschrift in der Stoa anbringen."
— Diogenes von Oinoanda (aus der Inschrift selbst)
Diogenes erklärte seine Motivation in der Inschrift selbst: Da er ein hohes Alter erreicht hatte und dem Tod nahe war, wollte er das Geschenk der epikureischen Weisheit mit seinen Mitbürgern und mit durchreisenden Fremden teilen. Er erklärte ausdrücklich, dass er die Wand beschreiben ließ, weil er nicht persönlich reisen konnte, um die Philosophie zu verbreiten. Dies macht das Projekt vielleicht zum ehrgeizigsten öffentlichen Bildungsvorhaben der antiken Welt – das steinerne Vermächtnis eines Philosophen für die Ewigkeit.
Die Stadt selbst liegt in einer strategischen, aber abgelegenen Position auf etwa 1.450 Metern Höhe und überblickt das obere Xanthos-Tal. Ihr Stadtplan folgt dem typischen Muster einer wohlhabenden lykisch-römischen Stadt, wobei das Aquädukt, das die Siedlung versorgte, noch in der umgebenden Landschaft nachvollziehbar ist. Das teilweise aus dem lebenden Fels gehauene Theater bot Platz für vielleicht 5.000 Zuschauer. Die Stadtmauern zeigen mehrere Bauphasen von der hellenistischen bis zur byzantinischen Zeit.

