Überblick
Dholavira befindet sich auf der Insel Khadir im Großen Rann von Kutch im indischen Bundesstaat Gujarat. Besiedelt von etwa 2650 bis 1450 v. Chr., ist es eine der fünf größten Stätten der Indus-Tal-Zivilisation und wurde, anders als die meisten, niemals überbaut – das bedeutet, der gesamte antike Stadtplan ist noch sichtbar und ausgrabbar.
Die Stadt ist in drei verschiedene Zonen unterteilt: eine befestigte Zitadelle auf der höchsten Erhebung, eine Mittelstadt und eine Unterstadt, jeweils durch massive Steinmauern und Tore getrennt. Diese Dreiteilung ist aufwendiger als in Harappa oder Mohenjo-daro. Besonders bemerkenswert ist das äußerst ausgeklügelte Wassermanagementsystem der Stadt: sechzehn Reservoirs unterschiedlicher Größe, Zisternen und in den Fels gehauene Kanäle, gespeist von zwei saisonalen Bächen, die genügend Wasser speichern konnten, um die Bevölkerung durch die langen Trockenzeiten in dieser ariden Umgebung zu versorgen.
Zu den faszinierendsten Funden in Dholavira zählt eine Hinweistafel: eine große Holztafel mit zehn Zeichen der Indus-Schrift, die im anscheinend nördlichen Haupttor der Zitadelle entdeckt wurde. Es ist die einzige bekannte großformatige Inschrift der Indus-Schrift und könnte als Name oder Titel der Stadt gedient haben. Die Stätte erbrachte zudem bemerkenswerte Mengen an Schmuck, Skulpturen und Handwerksobjekten, die von einer geschickten Handwerkerschaft und regem Fernhandel zeugen.
Dholavira wurde 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und ist damit die 40. indische Stätte auf der Liste.

