Überblick
Entdeckung und frühe Ausgrabungen
Susa wurde erstmals 1851 von dem britischen Geologen William Loftus als antike Stätte identifiziert, der im Auftrag des British Museum erste Ausgrabungen durchführte. Seine Arbeit legte den Palast des achämenidischen Königs Artaxerxes II. frei und machte die wissenschaftliche Welt auf den Reichtum der Stätte aufmerksam. Der französische Diplomat und Archäologe Marcel Dieulafoy führte zusammen mit seiner Frau Jane von 1884 bis 1886 weitere Ausgrabungen durch und brachte bedeutende Funde in den Louvre. Diese frühen Kampagnen etablierten Susa als entscheidendes Bindeglied für das Verständnis der Abfolge der Zivilisationen im Nahen Osten.
Historischer Überblick
Gegründet um 4200 v. Chr. in der Susiana-Ebene, entwickelte sich Susa zur Tieflandhauptstadt des elamischen Königreichs, einer mächtigen und langlebigen Zivilisation, die mit mesopotamischen Staaten interagierte und zusammenstieß. Die Stadt erlebte aufeinanderfolgende Zerstörungen und Wiederaufbauten, insbesondere durch den akkadischen König Sargon (ca. 2300 v. Chr.) und den assyrischen Herrscher Ashurbanipal (647 v. Chr.), der sie berühmt-berüchtigt plünderte. Unter dem Achämenidenreich (ca. 550–330 v. Chr.) wurde Susa von Dareios dem Großen revitalisiert, der einen prächtigen Palastkomplex errichtete und es zu einem administrativen Zentrum und einer Winterresidenz machte. Die Stadt bestand unter seleukidischer, parthischer und sassanidischer Herrschaft fort, bevor sie nach der islamischen Eroberung und schließlich nach den Mongoleninvasionen des 13. Jahrhunderts n. Chr. verfiel und aufgegeben wurde.

Zeichnung eines Hauses in Susa | Udimu (CC BY 3.0)
„In Susa habe ich, Dareios, einen Palast erbaut. Von weit her wurde seine Ausschmückung herbeigebracht. Das Zedernholz wurde von einem Berg namens Libanon gebracht; das Gold wurde aus Sardes und aus Baktrien gebracht.“
— Dareios I., Gründungsurkunde von Susa (DSf), ca. 510 v. Chr.
Architektur und Schlüsselstrukturen
Die archäologischen Überreste offenbaren eine komplexe Stadtstruktur, die sich über Jahrtausende erstreckt. Die elamische Zeit ist durch die massive Zikkurat des Untash-Napirisha im nahe gelegenen Chogha Zanbil gekennzeichnet, doch innerhalb von Susa selbst zeugt eine bedeutende Tempelplattform von kontinuierlicher sakraler Nutzung. Der achämenidische Palast, auf einer künstlichen Terrasse errichtet, verfügte über eine große Apadana (Audienzhalle) mit 36 Säulen, die Einflüsse aus Persepolis widerspiegelt. Handwerker aus dem gesamten Reich trugen Materialien bei: Zedernholz aus dem Libanon, Gold aus Sardes und Lapislazuli aus Baktrien. Der Palastkomplex umfasste auch Wohnquartiere und Verwaltungsbereiche, was die Rolle von Susa als kosmopolitisches Zentrum bezeugt.

Karte von Susa | Udimu (CC BY 3.0)
Inschriften und materielle Kultur
Susas reichhaltige epigraphische Aufzeichnungen bieten unvergleichliche Einblicke. Der Codex Hammurapi, eine monumentale Basaltstele mit babylonischem Recht, wurde im 12. Jahrhundert v. Chr. als Kriegsbeute nach Susa gebracht und 1901 von Jacques de Morgan ausgegraben. Achämenidische Gründungstafeln, wie die berühmte DSf-Inschrift, schildern den Bau des Palastes in drei Sprachen. Darüber hinaus beleuchten tausende Verwaltungstafeln in elamischer Keilschrift die Kontinuität der lokalen Bürokratie auch nach der persischen Eroberung. Artefakte wie glasierte Ziegelreliefs von Gardisten und Stierkapitelle unterstreichen die Verschmelzung künstlerischer Traditionen.
Anerkennung als Weltkulturerbe
Im Jahr 2015 nahm die UNESCO Susa in die Welterbeliste auf und würdigte das außergewöhnliche Zeugnis der elamischen, persischen und späteren Zivilisationen. Das Schutzgebiet umfasst die antiken Hügel, den Palastkomplex und die umliegenden archäologischen Zonen. Fortlaufende Konservierung und Forschung unter der Leitung internationaler Teams verfeinern weiterhin die Chronologie und geben Einblicke in das tägliche Leben der Bewohner. Trotz vergangener Plünderungen und Eingriffe bleibt Susa ein Grundstein für das Verständnis der Entwicklung früher Staaten und des Zusammenspiels der Kulturen im antiken Nahen Osten.
