Überblick
Das Pantheon steht auf dem Campus Martius im historischen Zentrum Roms. Ein früherer Tempel an dieser Stelle wurde um 27 v. Chr. von Marcus Agrippa, dem Schwiegersohn des Augustus, erbaut; die Inschrift über dem Portikus nennt noch immer ihn – „M·AGRIPPA·L·F·COS·TERTIVM·FECIT“ – obwohl das heute sichtbare Gebäude ein vollständiger Wiederaufbau unter Kaiser Hadrian ist, datiert durch Ziegelstempel auf etwa 113–125 n. Chr. Charakteristisch für Hadrian ließ er Agrippas ursprüngliche Widmung bestehen, anstatt seinen eigenen Namen anzubringen.
Das Gebäude besteht aus zwei stark kontrastierenden Teilen. Die Vorderseite ist ein konventioneller Portikus eines griechisch anmutenden Tempels mit sechzehn monolithischen korinthischen Säulen, jede ein einziger Schaft aus ägyptischem Granit, etwa 12 Meter hoch und etwa 60 Tonnen schwer, gebrochen am Mons Claudianus in der östlichen Wüste und über das Mittelmeer verschifft. Hinter dem Portikus verbirgt sich jedoch das revolutionäre Element: eine gewaltige kreisrunde Rotunde, überwölbt von einer kassettierten Betonkuppel. Der Innenraum ist geometrisch perfekt – der Durchmesser der Kuppel (43,3 Meter) entspricht genau der Höhe vom Boden bis zum Opaion, sodass der Innenraum eine perfekte Kugel enthalten würde.
Die Kuppel ist auch neunzehn Jahrhunderte nach ihrem Bau die größte Kuppel aus unbewehrtem Beton der Welt. Die römischen Ingenieure erreichten dies durch eine Variation der Betonmischung: schweres Basaltaggregat an der Basis, zunehmend leichteres Aggregat – Travertin, Tuff und schließlich poröser vulkanischer Bimsstein – zur Krone hin, wodurch das Eigengewicht an den strukturell schwächsten Stellen verringert wird. Die Dicke der Kuppel nimmt von etwa 6,4 Metern an der Basis auf 1,2 Meter am Rand des Opaions ab. Die fünf Ringe mit je 28 vertieften Kassetten entlasten die Schale zusätzlich. Am Scheitel ist das Opaion – eine unverglaste runde Öffnung von 8,8 Metern Durchmesser – die einzige Lichtquelle des Gebäudes und wirft eine wandernde Sonnenscheibe, die sich im Laufe des Tages durch den Innenraum bewegt.
Die außergewöhnlich gute Erhaltung des Pantheons ist seiner Umwandlung zu verdanken: Im Jahr 609 n. Chr. schenkte der byzantinische Kaiser Phokas das Gebäude Papst Bonifatius IV., der es als Kirche Santa Maria ad Martyres weihte. Als funktionierende Kirche wurde es instand gehalten, statt als Steinbruch für Baumaterial zu dienen, was das Schicksal der meisten antiken römischen Gebäude war. Es dient noch immer als Kirche und enthält die Gräber des Malers Raffael und zweier italienischer Könige.
