Überblick
Das Pantheon steht auf dem Campus Martius im historischen Zentrum von Rom. Ein früherer Tempel an dieser Stelle wurde um 27 v. Chr. von Marcus Agrippa, dem Schwiegersohn des Augustus, erbaut; die Inschrift auf dem Portikus schreibt es immer noch ihm zu — „M·AGRIPPA·L·F·COS·TERTIVM·FECIT“ — obwohl das heute sichtbare Gebäude ein vollständiger Neubau unter Kaiser Hadrian ist, der anhand von Ziegelstempeln auf etwa 113–125 n. Chr. datiert wird. Hadrian behielt bezeichnenderweise Agrippas ursprüngliche Widmung bei, anstatt seinen eigenen Namen anzubringen.
Das Gebäude besteht aus zwei stark gegensätzlichen Teilen. Die Vorderseite ist ein konventioneller griechischer Tempelportikus mit sechzehn monolithischen korinthischen Säulen, jede ein einzelner Schaft aus ägyptischem Granit, etwa 12 Meter hoch und rund 60 Tonnen schwer, der im Mons Claudianus in der östlichen Wüste gebrochen und über das Mittelmeer verschifft wurde. Hinter dem Portikus liegt jedoch das revolutionäre Element: eine gewaltige kreisrunde Rotunde, die von einer kassettierten Betonkuppel überdacht ist. Der Innenraum ist geometrisch perfekt – der Durchmesser der Kuppel (43,3 Meter) entspricht exakt der Höhe vom Boden bis zum Oculus, sodass der Innenraum eine perfekte Kugel aufnehmen würde.
„Das Pantheon ist das berühmteste aller antiken Tempel Roms und in seinem heutigen Zustand vollkommener als jeder andere.“
— Edward Gibbon, Decline and Fall of the Roman Empire, Kap. 71 (1788)
Die Kuppel ist, neunzehn Jahrhunderte nach ihrer Errichtung, die größte unverstärkte Betonkuppel der Welt. Die römischen Ingenieure erreichten dies, indem sie die Zusammensetzung des Betons variierten: schweres Basaltaggregat an der Basis, immer leichtere Zuschlagstoffe – Travertin, Tuffstein und schließlich poröse vulkanische Bimsstein – zur Krone hin, wodurch das Eigengewicht an der verwundbarsten Stelle der Konstruktion reduziert wurde. Die Dicke der Kuppel verjüngt sich von etwa 6,4 Metern an der Basis auf 1,2 Meter am Rand des Oculus. Die fünf Ringe mit je 28 vertieften Kassetten erleichtern die Schale zusätzlich. Am Scheitel ist der Oculus – eine unverglaste runde Öffnung mit 8,8 Metern Durchmesser – die einzige Lichtquelle des Gebäudes; er wirft eine wandernde Lichtscheibe, die sich im Laufe des Tages durch den Innenraum bewegt.



Die außergewöhnliche Erhaltung des Pantheons ist seiner Umwidmung zu verdanken: Im Jahr 609 n. Chr. schenkte der byzantinische Kaiser Phocas das Gebäude Papst Bonifatius IV., der es zur Kirche Santa Maria ad Martyres weihte. Als funktionierende Kirche wurde es instand gehalten und nicht als Steinbruch genutzt, wie es dem Schicksal der meisten antiken römischen Gebäude entsprach. Es dient noch immer als Kirche und beherbergt die Gräber des Malers Raffael und zweier italienischer Könige.

