Überblick
Schloss Neuschwanstein krönt einen rauen Hügel über dem Dorf Hohenschwangau in Bayern, Süddeutschland, nahe der österreichischen Grenze. Ludwig II. von Bayern gab es 1869 als privaten Rückzugsort und Hommage an die Opernwelten Richard Wagners in Auftrag. Der Architekt Eduard Riedel und später Georg von Dollmann entwarfen ein mittelalterlich anmutendes Äußeres, das hinter malerischen Szenen und polychromen Räumen eine moderne Stahl- und Ziegelkonstruktion verbirgt.
Der Thronsaal erinnert an byzantinische Kirchenarchitektur; der Sängersaal inszeniert Gralsbilder; Ludwigs Schlafzimmer weist gotische Holzschnitzereien auf. Der König lebte dort nur kurz vor seinem Tod 1886 unter umstrittenen Umständen. Der Tourismus setzte fast sofort ein – das Schloss, das nie für die Öffentlichkeit bestimmt war, empfängt nun jährlich mehr als eine Million Besucher.
Neuschwanstein ist keine mittelalterliche Archäologie, sondern Historismus des 19. Jahrhunderts in voller Lautstärke. Seine weltweite Bekanntheit (insbesondere in deutschen und chinesischen Suchanfragen) macht es zu einer unumgänglichen Lücke für einen Kulturerbeatlas, der verfolgt, wonach Menschen tatsächlich suchen.
