Überblick
Ctesiphon entwickelte sich am Ostufer des Tigris gegenüber dem hellenistischen Seleucia und verschmolz zu den später al-Mada’in genannten Zwillingsstädten. Die parthischen Könige verbrachten hier den Winter; die sasanidischen Shahanshahs machten es von Ardashir I. bis Khosrow II. zum zeremoniellen und administrativen Herzen von Erānshahr. Arabische Armeen eroberten die Stadt 637 n. Chr. nach der Schlacht von al-Qādisiyyah; ein Großteil des Palastviertels verfiel, als Bagdad aufstieg.
Am dramatischsten sichtbar ist Taq Kasra (der Bogen des Khosrow / Ayvān von al-Madāʾin): ein freistehendes, etwa 30 Meter hohes Ziegelgewölbe aus gebrannten Ziegeln mit einer Spannweite von rund 25 Metern — einer der größten je errichteten unverstärkten Ziegelbögen. Ausgrabungen und frühe Reisende dokumentierten Palastkomplexe, Wohnhügel und kanalisierte Flussauen; moderne Schäden, Überschwemmungen und Konflikte haben die noch stehende Bausubstanz auf das Gewölbe reduziert.
Die Stätte steht im Zentrum von Debatten über die sasanidische Hofkultur, die Seidenstraßendiplomatie mit Byzanz und den Übergang der imperialen Hauptstadtfunktion vom mesopotamischen zum islamischen Irak. In Kombination mit Hatra und Persepolis ergeben sich ergänzende iranische Imperienlandschaften, und mit Palmyra zur spätantiken Karawanenpolitik.
